Als Arbeitszeit wird die Zeit definiert, während der der Arbeitnehmer für den Arbeitgeber verfügbar sein muss. Der Weg von und zur Arbeit gilt jedoch nicht als Arbeitszeit. Muss die Arbeit ausserhalb des gewohnten Arbeitsortes geleistet werden und fällt dadurch die Wegzeit länger als üblich aus, gilt die zeitliche Differenz als Arbeitszeit.

Tagesarbeit

Die Tagesarbeit in einem Unternehmen darf per Gesetz nicht vor 6 Uhr beginnen und nicht länger als bis 23 Uhr dauern. Beginn und Ende der betrieblichen Tagesarbeit können zwischen 5 Uhr und 24 Uhr anders festgelegt werden, wenn die Arbeitnehmervertretung im Betrieb, oder wo eine solche nicht besteht, die Mehrheit der betroffenen Arbeitnehmer dem zustimmt. Die betriebliche Tagesarbeit beträgt auch in diesem Falle höchstens 17 Stunden. Die Tagesarbeit des einzelnen Arbeitnehmers muss mit Einschluss der Pausen und der Überzeit innerhalb von 13 Stunden liegen.

Wöchentliche Höchstarbeitszeit

Die wöchentliche Höchstarbeitszeit beträgt in Liechtenstein:

  • 45 Stunden für Beschäftigte in industriellen Betrieben, für Büropersonal, für technische und andere Angestellte einschliesslich des Verkaufspersonals in Grossbetrieben des Detailhandels (Einzelhandel)
  • 40 Stunden für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren
  • 48 Stunden für alle übrigen Arbeitnehmer

Für bestimmte Gruppen und Betriebe kann die wöchentliche Arbeitszeit vorübergehend um bis zu vier Stunden ausgeweitet werden.

Überstunden und Überzeitarbeit

In Liechtenstein wird zwischen Überstunden und Überzeitarbeit unterschieden. Werden Überstunden notwendig, so ist der Arbeitnehmer dazu nur soweit verpflichtet, als er sie zu leisten vermag und sie ihm zugemutet werden können. Überstunden müssen durch Freizeit ausgeglichen oder mit einem Überstundenzuschlag von wenigstens 25 Prozent ausbezahlt werden, wenn nichts anderes schriftlich vereinbart wurde.

Als Überzeitarbeit wird das Überschreiten der Höchstarbeitszeit bezeichnet. Diese darf nur ausnahmsweise überschritten werden, beispielsweise bei: 

  • Dringlichkeit der Arbeit
  • ausserordentlichem Arbeitsanfall
  • Inventaraufnahmen
  • Rechnungsabschlüssen und Liquidationsarbeiten
  • Arbeiten zur Vermeidung oder Beseitigung von Betriebsstörungen, soweit dem Arbeitgeber keine anderen Vorkehrungen zugemutet werden können.

Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmern für die Überzeitarbeit einen Lohnzuschlag von wenigstens 25 Prozent bezahlen. Für das Büropersonal sowie die technischen und anderen Angestellten mit Einschluss des Verkaufspersonals in Grossbetrieben des Detailhandels ist dies jedoch nur der Fall, wenn die Überzeitarbeit 60 Stunden im Kalenderjahr übersteigt. Pro Tag darf die Überzeit für den einzelnen Arbeitnehmer zwei Stunden nicht überschreiten, ausser an arbeitsfreien Werktagen oder in Notfällen.

Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit inklusive Überzeit darf innerhalb von vier Monaten 48 Stunden nicht überschreiten. Wird Überzeitarbeit im Einverständnis mit dem einzelnen Arbeitnehmer innerhalb eines angemessenen Zeitraums durch Freizeit von gleicher Dauer ausgeglichen, so ist kein Zuschlag zu entrichten.

Pausen

In Abhängigkeit von der Arbeitsdauer müssen folgende Pausen gewährt werden: 

  • 15 Minuten bei einer zusammenhängenden Arbeitsdauer von mehr als 5 1/2 Stunden
  • 30 Minuten bei einer zusammenhängenden Arbeitsdauer von mehr als 7 Stunden
  • Eine Stunde bei einer zusammenhängenden Arbeitsdauer von mehr als 9 Stunden

Die Pausen gelten als Arbeitszeit, wenn die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz nicht verlassen dürfen. Pausen von mehr als 30 Minuten dürfen im Einverständnis mit dem Arbeitnehmer aufgeteilt werden. Bei flexiblen Arbeitszeiten, wie der gleitenden Arbeitszeit, ist für die Bemessung der Pausen die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit massgebend.

Ruhezeiten

Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit muss im Regelfall eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden gewährt werden. Bei Schichtwechsel kann die Ruhezeit einmal in der Woche auf acht Stunden verkürzt werden, sofern der Durchschnitt von elf Stunden in zwei Wochen eingehalten wird. Wöchentlicher Ruhetag ist grundsätzlich der Sonntag. Der wöchentliche Ruhetag und die tägliche Ruhezeit müssen zusammen mindestens 35 aufeinanderfolgende Stunden ergeben.

Wöchentlicher freier Halbtag

Wird die wöchentliche Arbeitszeit auf mehr als fünf Tage verteilt, so ist dem Arbeitnehmer ein wöchentlicher freier Halbtag zu gewähren. Der Arbeitgeber darf im Einverständnis mit dem Arbeitnehmer die wöchentlichen freien Halbtage für höchstens vier Wochen zusammenhängend gewähren.

Sonntagsarbeit

Grundsätzlich ist Sonntagsarbeit nicht erlaubt. Wenn aber für einen Betrieb Sonntagsarbeit notwendig ist, so kann diese, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen gegeben sind, vom Amt für Volkswirtschaft bewilligt werden. Bei vorübergehender Sonntagsarbeit ist ein Lohnzuschlag von 100 Prozent zu entrichten sowie in der vorhergehenden oder nachfolgenden Woche ein Ersatzruhetag zu gewähren. In Laden- oder Tankstellengeschäften muss bei dauernder oder regelmässig wiederkehrender Sonntagsarbeit lediglich ein Zuschlag von 50 Prozent gezahlt werden. Im Kalenderjahr sind dem Arbeitnehmer von Laden- und Tankstellengeschäften mindestens 26 freie Sonntage zu gewähren. Sie können unregelmässig auf das Jahr verteilt werden. Die Anzahl der freien Sonntage kann bis auf die Mindestzahl von vier herabgesetzt werden, sofern die wöchentliche Arbeitszeit des Arbeitnehmers im Durchschnitt von vier Wochen 18 Stunden nicht überschreitet.

Als gesetzliche Feiertage, die den Sonntagen gleichgestellt sind, gelten gemäss Arbeitsgesetz:

  • Neujahr
  • Heilige Drei Könige
  • Ostermontag
  • 1. Mai
  • Christi Himmelfahrt (Auffahrt)
  • Pfingstmontag
  • Fronleichnam
  • Maria Himmelfahrt
  • Maria Geburt
  • Allerheiligen
  • Maria Empfängnis
  • Weihnacht
  • Stephanstag

Kein Sonntag gemäss Arbeitsgesetz sind der 2. Februar (Maria Lichtmess), 19. März (Josefi) und der Karfreitag. An diesen Tagen ist gemäss Arbeitsgesetz keine Bewilligung zur Beschäftigung von Arbeitnehmern notwendig. 

Nachtarbeit

Grundsätzlich ist Nachtarbeit nicht erlaubt. Wenn aber für einen Betrieb Nachtarbeit vorübergehend, dauernd oder regelmässig wiederkehrend notwendig ist, kann diese vom Amt für Volkswirtschaft bewilligt werden. Dafür müssen die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt werden. Bei Nachtarbeit darf die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Wird der Arbeitnehmer in höchstens drei von sieben aufeinander folgenden Nächten beschäftigt, darf die tägliche Arbeitszeit unter den in der Verordnung festgelegten Voraussetzungen zehn Stunden betragen. Die Arbeitszeit muss aber mit Einschluss der Pausen innerhalb eines Zeitraums von zwölf Stunden liegen. 

Arbeitszeitaufzeichnung

Die Länge der Arbeitszeiten ist festzulegen und zu dokumentieren. Dies kann z.B. mittels Arbeitszeitreglementen oder Ähnlichem erfolgen. Es wird empfohlen, dass die effektiv geleistete Arbeitszeit dokumentiert wird, wie z.B mittels Zeiterfassungssystemen oder Rapporten.

Gesetzliche Grundlagen

Arbeitsgesetz (ArG), LGBl. 1967 Nr. 6

Verordnung I zum Arbeitsgesetz (ArGV I), LGBl. 2005. Nr. 67

Verordnung II zum Arbeitsgesetz (ArGV II), LGBl. 2002 Nr. 188

Verordnung V zum Arbeitsgesetz (ArGV V) (Sonderbestimmungen über den Schutz der jugendlichen Arbeitnehmer), LGBl. 2005 Nr. 69

Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)